Was ist Ethnologie?


Die Ethnologie ist neugierig: Auf die Menschen hier und anderswo und ihren Alltag. Sie will wissen, wie wir leben: als Einzelne wie in der Familie, mit Freunden und Fremden, in unseren wie in anderen Gesellschaften, in Europa wie auf anderen Kontinenten. Sie fragt, wie Menschen ihr Zusammenleben organisieren, welche Beziehungen sie mit unterschiedlichen sozialen und natürlichen Umgebungen eingehen und welches Bild sie von diesen Beziehungen haben: Solche scheinbar so einfachen Fragen nach der Alltagskultur stehen im Vordergrund des Interesses.
Wir EthnologenInnen versuchen also andere Menschen und Gemeinschaften kennen zu lernen und sie zu verstehen. Daher ist „Teilnehmende Beobachtung“ eine der wichtigsten Forschungsmethoden. Diese Teilnahme an und Beobachtung von deren Alltag wird durch andere Methoden und Hilfsmittel ergänzt: Feldtagebücher und Interviews, Foto- und Videokameras, Wahrnehmungsspaziergänge und „Mental Maps“ gehören ebenso dazu. Neben dem Teilnehmen und Beobachten sind also auch Zuhören und Nachfragen wichtig. Denn erst dadurch entsteht enger Kontakt zu- und untereinander – und: ein Verstehen der „Anderen“.
Uns geht es weniger um Zahlen und Statistiken. Ethnologische Forschung möchte vielmehr dem Subjektiven mehr Raum geben. D. h. den individuellen Erfahrungs- und Wahrnehmungsformen der Menschen; den persönlichen Merkmalen, Eigenarten und Routinen. Statistische Durchschnittswerte können Gesellschaft und Kultur nun einmal schlechter beschreiben und wiedergeben als dies individuelles und charakteristisches menschliches Handeln tut.

Es handelt sich bei dem Projekt "Sieben Felder" um ein experimentelles Projekt: Die Verbindung von Ethnologie und Kunst in einem Schulprojekt. Ziel war es, mit drei Berliner Schulklassen zu erarbeiten, ob und wie die SchülerInnen mit Hilfe ethnologischen Wissens und ethnologischer sowie künstlerischer Methoden ihre eigene „multikulturelle“ Situation in Schule und Alltag besser beschreiben, reflektieren und untersuchen können. SchülerInnen, EthnologInnen und KünstlerInnen lernen also etwas über „Realitäten“ – in der Wirklichkeit und in der Wissenschaft. „Sieben Felder“ meint dabei sieben Lebens- und Erfahrungsbereiche aus der Welt der SchülerInnen, die zum Thema unterschiedlicher Bearbeitungsformen aus ethnologischer wie künstlerischer Sicht gemacht werden.


Institut für Europäische Ethnologie HU-Berlin, Humboldt-Universität Berlin