| Der
Hintergrund des Projekts |
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| I) Immer wieder
werden neue Programme zur „Integration von jungen Migranten“
aufgelegt, obwohl – oder vielmehr: weil man sich schon seit geraumer
Zeit von den Begriffen „Leitkultur“ auf der einen Seite bzw.
„Multikulti“ auf der anderen Seite verabschiedet hat. Doch bleibt
hinter diesen gesellschaftspolitischen Anstrengungen die Frage: Wer soll
wohin integriert werden? Da man in der zweiten und dritten Generation von
in Deutschland lebenden ehemaligen Gastarbeitern und deren Kindern und Enkelkindern
nicht mehr von „Ausländern“ reden kann, wurde als Zielrichtung
der „Migrationshintergrund“ erfunden, eine Kategorie, die -
etwas tiefer gedacht - auf nahezu alle in Deutschland lebenden Menschen
zutrifft und daher extrem unscharf ist. II) Tatsache ist dennoch, dass sich bei vielen „ausländischen“ Jugendlichen, die mittlerweile die überwiegende Mehrheit der Schülerinnen und Schüler an den Berliner Sekundarschulen ausmachen, eine Art kulturelles Selbstverständnis herausgebildet hat, das sich in eigenen Haltungen, Symbolen, Ritualen usw. manifestiert. Dabei werden sie von großen Teilen der Gesellschaft meist nur als Problemfälle und Mängelwesen wahrgenommen, in einem Zwischenbereich des „nicht mehr“ und „noch nicht“ der Kulturen, zwischen Elternhaus / Clique und Schule / Gesellschaft. Ein Verständnis und Bewusstsein dessen, was sie umgibt (ihre Kultur in ihrer tatsächlichen Ausprägung) wäre für diese Jugendlichen ein großer Gewinn, eine Möglichkeit zur kulturellen Positionierung und dadurch erst: Integration. III) In Zeiten der Globalisierung hat der Begriff der „Interkulturalität“ Hochkonjunktur. Doch von welchem Kulturbegriff wird dabei ausgegangen, wenn „Interkultur" als der gesellschaftliche Normalzustand aller Menschen aufgefasst werden kann, die tagtäglich mit und in unterschiedlichen „Kulturen“ interagieren? Insofern die Ethnologie die Lehre sowohl der Vielfalt, als auch der Differenz der Kulturen ist, könnten hier sowohl die Methoden, als auch die Begriffe der Ethnologie konkrete Unterstützung im Feld des interkulturellen Dialogs liefern. Denn mehr als jede andere Disziplin hat die Ethnologie Wissen über kulturelle Systeme und kulturelle Differenzen produziert. Ethnologie beruht auf Interaktion, sowohl was ihre Fragestellungen als auch was ihre Methoden betrifft. Die interkulturelle Begegnung und die Kommunikation mit Angehörigen „fremder Kulturen" stellt seit jeher eine unerlässliche Voraussetzung der ethnologischen Forschungspraxis dar. Vor diesem Hintergrund ist die leise Stimme der Ethnologie in der Debatte über Integration und interkulturellen Dialog nur schwer nachzuvollziehen. IV) „Kultur“ wird in der Ethnologie seit geraumer Zeit nicht mehr als ein System betrachtet, in dem sich die Elemente zu einer geschlossenen Struktur zusammenfügen, aus dem dann bestimmte Institutionen oder Schlüsselpraktiken ableitbar sind. Vielmehr stehen die Dynamik kultureller Prozesse und die jeweilige Subjektivität im Vordergrund. Kultur, Identität und Differenz werden - vor allem auch von Menschen in Bewegung mit ihrer jeweiligen sozialen Umgebung - permanent ausgehandelt. „Kultur“ wird somit heute im wesentlichen als ein Orientierungssystem aufgefasst, das unser Wahrnehmen, Bewerten und Handeln steuert, als das Repertoire an Kommunikations- und Repräsentationsmitteln, mit denen wir uns verständigen, uns darstellen, Vorstellungen bilden. „Kultur“ kann somit als „Diskursfeld“ verstanden werden, als eine Arena, in der überlieferten Weltbilder, Werte und Lebensformen ständig neu ‚verhandelt’ werden, nicht immer sprachlich, doch immer zeichenhaft: Kulturelle Verhandlungsprozesse und Neubewertungen finden oft im Bereich der Moden, der Musik oder der bildenden Künste statt. Aus diesen Überlegungen heraus entstand die Idee, Schülerinnen und Schüler aus Berliner Sekundarschulen gemeinsam mit Studenten und Künstlern der verschiedensten Genres auf künstlerische Forschungsreise zu schicken und die tatsächlichen kulturellen Orientierungssysteme zu untersuchen, die sie und uns umgeben und in denen wir uns bewegen. |
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